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Die Frage der technologischen Beherrschbarkeit des Klimas berührt unmittelbar ethische Fragen. Hier sind Theologie und Kirche in besonderer Weise...

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Was Kirchen tun können

Bereits im Juli 2014 ergänzt der Ökumenische Rat der Kirchen die ethischen Kriterien seiner Investmentpolitik um den Ausschluss von Investitionen in fossile Brennstoffe.[1] Zuvor hatten u.a. die Schwedische Kirche, die United Church of Christ, die Quäker und Episkopalkirchen in den USA und die anglikanischen Kirche in Neuseeland und Polynesien bereits ihr Divestment aus fossilen Brennstoffen angekündigt.[2] Laut Fossil Free haben die sogenannten "faith-based organisations", also die kirchlichen und glaubensgebundenen Organisationen heute mit 30 Prozent den größten Anteil am Divestment, gefolgt von Stiftungen und Regierungen.[3]

Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) war im Jahr 2015 die erste Kirche Deutschlands, die ankündigte, alle Investitionen aus Unternehmen abzuziehen, die ihre Umsätze mit fossilen Brennstoffen machten.[4] Im "Beschluss zur konsequenten Umsetzung des Weltklimaabkommens von Paris" vom November 2016 bittet die Synode der evangelischen Kirche in Deutschland die EKD sowie alle Gliedkirchen und kirchlichen Werke in Deutschland "wegen der Notwendigkeit des Ausstiegs aus den fossilen Energieträgern, ihr Anlagekapital im Zuge einer nachhaltigen Anlagestrategie aus Branchen der fossilen Energieträgergewinnung und Energieerzeugung sukzessiv abzuziehen (Divestment)."[5] Auch die katholische Bank für Kirche und Caritas eG unternimmt im selben Jahr erste Divestment-Bestrebungen, indem sie weitere Ausschlusskriterien in ihre Anlagestrategie einbezieht, nämlich die Förderung von Kraftwerkskohle (Umsätze mehr als 10 Prozent) sowie Reserven (mehr als 10 Prozent der Brutto-Reserven) oder Umsätze aus Ölsanden und Ölschiefer.[6]

Anfang 2017 erklärt dann auch die Evangelische Landeskirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) ihre Geldanlagen zumindest den Unternehmen zu entziehen, die ihren Umsatz zu mehr als 30% aus fossilen Brennstoffen generieren.[7] Dafür erhält sie von der Initiative Fossil Free eine Auszeichnung. Schließlich kündigen zum Gedenktag Franz von Assisis, dem 4.Oktober, 40 katholische Institutionen als Teil des Global Catholic Climate Movement[8] an, sich an der Divestment Bewegung zu beteiligen, darunter die Bank für Kirche und Caritas eG in Deutschland, die Erzdiözese von Kapstadt, die belgische Bischofskonferenz und mehrere Gemeinschaften in der italienischen Stadt Assisi.[9]

 


[1] World Council of Churches. Central Commitee(2014): Document No. GEN FIN 06: Report of the Finance Policy Committee, Geneva. S. 3.

[3] https://gofossilfree.org/commitments/

Theologische Texte

Mehr und mehr finden sich Werke zum Thema Anthropozän und Theologie/Religion und insbesondere zur Ökotheologie. Im Gegensatz dazu, gibt es kaum Beiträge, die sich speziell mit der Strategie Divestment und ihrer theologischen Dimension beschäftigen. Es gibt drei Beiträge, die hier zu nennen sind. Im Jahr 2014 hielt Dr. Jim Antal von der United Church of Christ im Rahmen unseres Fachtages "Kein Geld für Kohle und Co" einen Vortrag, in dem er das Divestment US-amerikanischer Kirchen theologisch begründete. Eine deutsche Übersetzung finden Sie hier. Ebenso befasst sich im Februar 2015 ein Papier der britischen Kampagne "Bright Now. towards fossil free churches[3]" mit der Frage, ob Investition in fossile Brennstoffe ethisch sei. Im Juli veröffentlichte außerdem Bruce Gregersen von der United Church of Canada einen Artikel mit dem Titel "Theological Reflections on Climate Change and Divestment". Das Papier, welches als Expertise für das Generalsekretariat der United Church of Canada verfasst wurde, empfiehlt als Alternative zu umfangreichem Divestment, einen Best Practice Ansatz, da fossile Brennstoff-Unternehmen verschiedene Ansätze hätten.

 


[2] Deane-Drummond, Celia E. / Bergmann, Sigurd / Vogt, Markus (Hg.) (2017): Religion in the Anthropocene, Eugene: Cascade Books.

Engagement und Shareholder Aktivismus

Das sogenannte Engagement (engl. Aussprache) zielt darauf ab, als Shareholder die Unternehmenspolitik durch Dialog bzw. Protest zu beeinflussen. Während Fossilfree Divestment und Engagement als diametral darstellt und dem Divestment eine weit größere und insbesondere schnellere Wirkungsweise im Angehen gegen die Verbrennung fossiler Brennstoffe zuschreibt[1], sehen insbesondere die kirchlichen Akteure die beiden Strategien als einander ergänzend. Das Internetportal Your Faith Your Finance stellt die verschiedenen Möglichkeiten des Engagement anschaulich dar:

  1. Eine Gruppe, die bereits Anteile eines Unternehmens besitzt, versucht die Unternehmensleitung bzw. den Vorstand auf der Grundlage ethischer Gesichtspunte dazu zu bewegen, seine Politik zu ändern.
  2. Eine Gruppe bzw.ein Individuum kauft erst die Anteile, um das Unternehmen dann beeinflussen zu können z.B. im Rahmen der Jahreshauptversammlung.
  3. Eine Gruppe oder ein Individuum kauft einzelne Anteile, um Zugang zur Jahreshauptversammlung zu bekommen und dort einen Protest zu vollführen, der auf Medienwirksamkeit abzielt.

Eine Verstärkung des Konzepts ist das Critical Engagement, bei dem Akteure direkt mit der Unternehmensleitung in Dialog treten. Der Beirat der Church of England zum Ethischen Investment (The Ethical Investment Advisory Group of the Church of England) und die Zentrale Finanzbehörde der Methodistischen Kirche in England veröffentlichen jährlich Berichte über ihren Dialog mit Unternehmen. Die Church of England steht unter anderem im Dialog mit ExxonMobil, BP und Royal Dutch.[2] Das Portal bemerkt, dass Divestment insbesondere nach gescheitertem Engagement, eine unbedingte Konsequenz ist.

Während die Anglikaner den deutschen Kirchen oft als Vorbild gelten, gebührt die eigentliche Vorreiter-Rolle den US-Amrikanern. Im Rahmen der Proteste gegen die Apartheid, stellte der Anwalt Paul Neuhauser 1971 im Auftrag der Episkopalen Kirche erstmals einen Antrag zum Divestment an ein Unternehmen. Es war die Aufforderung an General Motors, sich aus allen Geschäften in Südafrika zurückzuziehen solange die Apartheid bestünde.[3] Kurz danach wurde das Interfaith Center on Corporate Responsibility gegründet, welches heute mit seinen über 300 Mitglieder, darunter religiöse Gemeinschaften, sozial verantwortliche Vermögensverwalter, Gewerkschaften und NGOs, nach wie vor Shareholder Aktivismus betreibt.

Auch der Leitfaden für ethisch-nachhaltige Geldanlage in der evangelischen Kirche bezeichnet das Engagement als wichtiges Instrument. Allerdings gibt er auch zu bedenken, dass „Börsennotierte Unternehmen […] in der Regel eine so hohe Kapitalisierung auf[weisen], dass einzelne kirchliche Investoren ihre Interessen allein nur sehr bedingt wirkungsvoll einbringen können. Daher ist eine Koordination und Bündelung des Engagements sinnvoll.“[4] Der Arbeitskreis kirchlicher Investoren (AKI) der EKD  betreibt derzeit drei Engagement Projekte[5], davon beschäftigt sich eines mit Dekarbonisierung. Das Projekt zur Verbesserung des sogenannten CDP Ratings deutscher Unternehmen findet in Kooperation mit der Church Investors Group (UK) statt. CDP, das Carbon Disclosure Project, ist eine gemeinnützige Organisation, die durch ausführliche Fragebögen CO2-Emissionen, Klimarisiken und Reduktionszielen von Unternehmen ermittelt. In diesem Zusammenhang gibt der AKI an, mit denjenigen Unternehmen in den Dialog zu treten, die noch nicht beim CDP mitmachen oder nicht mindestens ein „B“ erreicht haben.[6][7]

Das Zentralkomitee der Deutschen Katholiken spricht in einem Papier zum ethischen Investment aus dem Jahr 2007 von „Aktivem Wertpapierbesitz“, führt im Zusammenhang damit auch die anglikanische Kirche als Vorreiter an und fordert die Katholische Kirche in Deutschland auf, „sich in direkter Kommunikation mit den Unternehmen und Fondsgesellschaften für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung einzusetzen.“[8]In einem Artikel von 2013 wird erklärt, dass einige katholische Organisationen und Orden auch die Möglichkeit nutzten, ihr Stimmrecht auszuüben oder als aktive Aktionäre auf die Unternehmensvorstände zuzugehen. In diesem Bereich seien „vertrauliche Gespräche [manchmal] erfolgversprechender als öffentliche Kritik oder Druck“[9]. Auch die Deutsche Bischofskonferenz hat 2015 eine Broschüre mit dem Titel „Ethisch-nachhaltig investieren. Eine Orientierungshilfe für Finanzverantwortliche katholischer Einrichtungen in Deutschland“ herausgegeben. Die eigenen Investitionsstrategien oder gar Divestment bzw. Engagement Strategien findet man hingegen auf den Internetseiten der DBK kein einziges Wort. Doch die meisten der kirchlichen Banken besprechen in ihrem Angebot nun auch Nachhaltigkeit und, als ein Teil davon, manche auch Engagement. Die Bank für Kirche und Caritas eG, die sich ja auch bereits öffentlich zum Divestment verpflichtet hat, ist auch in diesem Bereich am weitesten vorgestoßen. Als einen Erfolg ihrer Engagement Bemühungen nennen Sie das Aussteigen der DZ Bank AG aus den Investitionen in Kohleförderung. Außerdem hat die Bank gemeinsam mit anderen institutionellen Investoren aus Europa in Jahr 2017 in Mailand das „Shareholders for Change“ Netzwerk in Leben gerufen. Die gemeinsame Charta[10] nennt unter Punkt B Umweltbelange und berücksichtigt dabei  Generationengerechtigkeit, Tierwohl, Klimawandel und Transparenz der Sachlage.


[1] https://gofossilfree.org/uk/divestment-vs-engagement-combatting-the-greenwash/

[2] https://www.churchofengland.org/sites/default/files/2017-11/EIAG%20Annual%20Review%202016%3A17.pdf

[3] https://www.iccr.org/about-iccr/history-iccr

[4] Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland. 2016. Leitfaden für ethisch-nachhaltige Geldanlage in der evangelischen Kirche. 3., aktualisierte Auflage. Hannover. S.35 

[5] https://www.aki-ekd.de/de/ethisches-und-nachhaltiges-investment/engagement/

[6] ebd.

[7] Eine etwas kritische Einschätzung zu CDP findet sich hier: https://enorm-magazin.de/cdp-veroeffentlicht-klimaschutz-ranking

[8] ZDK. 2007. Ethisches Investment. Handreichung für private und kirchliche Anleger.

[10] https://www.fair-finance.at/wp-content/uploads/2018/01/Charter-of-Values-final.pdf

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